8. Bürgerstammtisch: Wir sind alle anders! Wir sind alle gleich!

Was ist typisch deutsch? Was sind unsere Werte?

 

In den vergangenen sieben Bürgerstammtischen haben wir über Flüchtlinge, Sicherheit, Zukunftsperspektiven, Kosten und Gewinne und den öffentlichen Nahverkehr mit Landtags- und Kreistagspolitikerinnen sowie Verwaltungsfachleuten, Polizisten und anderen Experten gesprochen. Am 8. Dezember 2016 geht es beim nunmehr 8. Bürgerstammtisch des Zossener Netzwerks für Demokratie und Menschlichkeit um Fragen wie: was ist deutsch an unserer Kultur, unserer Technik, unseren Häusern oder unserem Essen, kurz an unserem Leben? Welche Werte wollen wir leben, vermitteln und erhalten? Was ist uns sonst wichtig für unsere Gesellschaft und unser Privatleben? Zu Gast sind am kommenden Donnerstag im Bücherstall der Wünsdorfer Bücherstadt, Gutenbergstr. 5 die Integrationsbeauftragte und Landtagsabgeordnete Ursula Nonnemacher (Grüne/Bündnis 90) und Ingo Senftleben, Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag.

Wir wollen uns mit Ihnen und unseren beiden Gästen darüber unterhalten, was das ist - deutsch sein.

Bedeutet es vielleicht, die Vielfalt und Lebendigkeit unserer Sprache bekämpfen? Wollen wir alle Fremdwörter und Ausdrücke in unserem heutigen Sprachgebrauch ausmerzen? Viele Fremdwörter wie Rendevouz, Portmonnaie, studieren, Demokratie, Politik, Universität, Ketchup oder Party sind leicht zu erkennen. Wollen wir wirklich auf sie und das, was sie darstellen, verzichten? Die ersten drei Wörter kamen aus dem Französischen zu uns, die folgenden zwei aus dem Griechischen, Universität aus dem Lateinischen, Party aus dem Englischen, aber Ketchup ist wider Erwarten kein amerikanisches, sondern vermutlich ein chinesisches Dialektwort.

Und was ist mit jenen Wörtern, die wir nicht mehr als Fremdlinge bei uns ausmachen können wie Paradies, Tarif, Ziffer, Algebra, absurd, korrupt, Idiot, Scheck, Kanu, Tabu, Kaffee, Tee, Schule, Strolch oder Seide? Sie sind aus wenigstens zehn verschiedenen Sprachen oder Dialekten oft auf verschlungenen Pfaden durch die Welt gewandert, ehe sie bei uns, mitunter in verunstalteter Form, heimisch geworden sind.

Als 1994 der französische Kultusminister ein Gesetz zum Schutz der französischen Sprache erließ, wanderten ausländische Unternehmen so spürbar aus Frankreich ab, dass das Gesetz zurückgezogen worden ist. Aber fühlen wir uns durch fremde Wörter in unserer Sprache wirklich so bedroht, dass wir auch nach einem solchen Schutzgesetz rufen sollten? Oder ist es nicht vielmehr cool, mit einem Smartphone oder IPad unterwegs zu sein, einen Toyota zu fahren oder Reis, Kartoffeln, Pasta oder Couscous zum Mittagessen zu kochen?

Wie sieht es neben der deutschen Sprache mit der deutschen Kultur aus? Was sagen wir zu Schriftstellern, Komponisten, Malern oder Architekten, die von anderen Literaturen, Musik- und Kunstformen oder Bauweisen in Europa, Afrika, Asien oder Amerika gelernt und uns bereichert haben? Wollen wir auf Goethes West-Östlichen Diwan verzichten, weil er den persischen Dichter Hafez imitierte? Ist uns das Adagio oder Allegro in der Musik Beethovens oder Mendelsohn-Bartholdis über, weil es italienischer Herkunft ist? Wollen wir auf die Gitarre verzichten, weil sie durch die Hände muslimischer Musiker gegangen ist?

Oder geht es um all das gar nicht bei den Rufen nach einer deutschen Leitkultur? Sind solche Forderungen eher ein Ausdruck unserer historischen und kulturellen Unwissenheit? Geht es uns nicht um die uns oft fremde eigene Kultur, sondern wollen wir eher Menschen aus der Fremde ausgrenzen?

Wir laden Sie herzlich ein, mit den LandtagspolitikerInnen zu diskutieren, Ihre Fragen an sie zu stellen und Ihre Meinungen kund zu tun.

Ort: Bücherstall, Bücherstadt Wünsdorf, Gutenbergstr. 5

Zeit: 19.15-21:15 Uhr

                                                                                  Sonja Brentjes